{"id":2,"date":"2026-09-17T08:43:49","date_gmt":"2026-09-17T06:43:49","guid":{"rendered":"https:\/\/013.teilnehmerprojekt.lvq.de\/wordpress\/?page_id=2"},"modified":"2026-09-24T11:49:26","modified_gmt":"2026-09-24T09:49:26","slug":"beispiel-seite","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/013.teilnehmerprojekt.lvq.de\/wordpress\/beispiel-seite\/","title":{"rendered":"Kunstvermittlung"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 20px;\"><strong>Wahrnehmen und Erkennen<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Jedes von uns wahrgenommene Bild wurde bereits von unseren Wahrnehmungsorganen verarbeitet\u00a0 und durch die neuronale Verarbeitung abstrahiert und gefiltert. Wirklich naturgetreue Abbilder der Wirklichkeit k\u00f6nnen wir folglich gar nicht wahrnehmen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Das Wahrgenommene wird kognitiv analysiert und miteinander verkn\u00fcpft, wobei sich die Frage stellt, ob dieser Vorgang nicht schon als Erkenntnisleistung\u00a0 angesehen werden kann. Denn etwas wahrzunehmen, bedeutet auch etwas zu erkennen. In unserem Alltagsverst\u00e4ndnis gibt es jedoch Unterschiede zwischen den Begriffen, entscheidet also der Spracheinsatz die Erkenntnis von der Wahrnehmung? Oder verl\u00e4uft die Abgrenzung zwischen Erkennen und Wahrnehmen entlang der Grenze zwischen Bewusstem und Unbewussten ? So m\u00fcssen wir uns der Erkenntnis bewusst werden um sie als solche wahrnehmen zu k\u00f6nnen, auch wenn dieser Prozess zun\u00e4chst so manche unbewusste Phase durchlaufen haben muss. Ist die Erkenntnis befreit von emotionalen Einfl\u00fcssen, w\u00e4hrend die Wahrnehmung ein rein sinnliches Erleben ist ?Eine klare Abgrenzung dieser Prozesse ist nicht m\u00f6glich, wir sind jedoch verleitet Abgrenzungen sehen zu wollen obwohl dies unm\u00f6glich ist, da all diese Prozesse in unserem Kopf ablaufen<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a><a href=\"https:\/\/www.utb.de\/doi\/book\/10.36198\/9783838530840\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Brandst\u00e4tter, Ursula, Erkenntnistheoretische Grundlagen, S.15, in Grundfragen der \u00c4sthetik, 2008.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ebenda S.17.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 20px;\">\u00c4sthetische Erfahrung und Wahrnehmung <\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Wahrnehmung unterteilt sich in das bewusst aufgenommene Beobachtete sowie den st\u00e4ndig im Hintergrund ablaufenden Prozess der automatisierten Umgebungswahrnehmung. So kann man sich sowohl auf die \u00e4u\u00dfere Welt beziehen wie auch auf unsere Befindlichkeiten und auf fiktive Wahrnehmungsbilder unserer inneren Vorstellung. Dabei spielen bewusste wie auch unbewusste Vorg\u00e4nge eine Rolle. Wahrnehmung zeichnet sich auch durch Zielgerichtetheit aus, das Bewusstwerden ist wesentlich f\u00fcr die Wahrnehmung.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>\u00c4sthetische Wahrnehmung ist eine spezifische Form der sinnlichen Wahrnehmung. Sie ist gepr\u00e4gt durch eine besondere Zeiterfahrung. Man muss sich daf\u00fcr Zeit nehmen, um sich das Wahrgenommene und den Moment bewusst zu machen; dadurch wird ein spezielles Bewusstsein f\u00fcr die Gegenwart erzeugt. Die \u00e4sthetische Wahrnehmung umfasst alle Merkmale der Dinge und ist nicht auf einzelne Sinne beschr\u00e4nkt. Keine \u00e4sthetische Wahrnehmung ist auf einen einzelnen Sinn beschr\u00e4nkt, bei der \u00e4sthetischen Wahrnehmung wird uns die syn\u00e4sthetische Verbindung der Sinne im Besonderen bewusst. Dies ist ein Ph\u00e4nomen, das schwer zu verbalisieren ist.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Eine Steigerungsform der \u00e4sthetischen Wahrnehmung ist die \u00e4sthetische Erfahrung. Dabei wird auf die \u00e4sthetische Wahrnehmung aufgebaut, diese geht jedoch dar\u00fcber hinaus, es kommt zu einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen Zeit- und K\u00f6rpererfahrung.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Die Frage, ob \u00e4sthetische Erfahrung zu Erkenntnis f\u00fchrt, kann im Grunde nicht abschlie\u00dfend beantwortet werden, genauso wenig wie die, ob Kunst zu einer spezifischen Art der Erkenntnis f\u00fchren kann. Der ehemalige Philosophieprofessor und Kulturpublizist Konrad Paul Liesmann r\u00fcckt in seinem Buch \u201eReiz und R\u00fchrung\u201c empfundene Aspekte wie Gefallen, Missfallen, Interesse, Grauen, Langeweile und Spannung in den Fokus der \u00e4sthetischen Erfahrung. Bedeutung gibt es jenseits der Kategorien Wahr und Falsch, mit denen im Zusammenhang mit \u00e4sthetischem Empfinden und Wahrnehmen nicht zielf\u00fchrend operiert werden kann. So stellt sich die Frage, ob eine \u00e4sthetische Erkenntnis nicht auch eine besondere Art der Erkenntnis darstellt. Der Kunstdidaktiker Gunter Otto klassifiziert diesen als eigenst\u00e4ndigen Weg der Erkenntnis, die sich sowohl in der Rezeption wie auch im Praktischen ereignet.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Grundlegend f\u00fcr die \u00e4sthetische Erfahrung ist die sinnliche Wahrnehmung; dabei verbinden sich die optischen Eindr\u00fccke und Begriffe miteinander, auch wenn diese Begriffe zumeist nicht vollst\u00e4ndig in begriffliches Erkennen m\u00fcnden, da diese an das sinnliche Erscheinen der Objekte gebunden sind, von denen sie ihren Ausgang nehmen. Das \u00e4sthetische Erkennen wirft wiederum mannigfaltige Fragen auf, die niemals zu einem eindeutigen Schlusspunkt f\u00fchren k\u00f6nnen, da sie uns an Unbegreifbares heranf\u00fchren, wof\u00fcr wir ein besonderes Ma\u00df an Offenheit ben\u00f6tigen.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>\u00c4sthetische Erfahrungen sind von einer besonderen Intensit\u00e4t gekennzeichnet, sie besitzen Alleinstellungsmerkmale und ereignen sich mit einer unberechenbaren Pl\u00f6tzlichkeit. Sie setzen unsere Zeitwahrnehmung au\u00dfer Kraft und werden zu erinnerbaren Ereignissen.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> \u00c4sthetische Erkenntnis wird oft als metaphorische Erkenntnis charakterisiert, sie bewegt sich zwischen den Polen der verbalisierbaren Begrifflichkeiten und strukturierter Wahrnehmung, ohne zu einer Seite zu tendieren, und so bewegt sich die \u00e4sthetische Erfahrung zwischen dem Bestimmbaren und dem Au\u00dfergew\u00f6hnlichen.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>Sinneswahrnehmungen sind stets an bestimmte Medien gebunden. Der dem Bildmedium zugeordnete Sehsinn hat f\u00fcr den Menschen eine zentrale Bedeutung, da er seine Orientierung in der Welt erm\u00f6glicht. Im Gehirn nimmt das daf\u00fcr zust\u00e4ndige System den meisten Platz ein. So erm\u00f6glicht uns der Sehsinn, simultan zu erfassen, dabei erfolgt eine Zerteilung in das Subjekt, das etwas wahrnimmt, und das wahrgenommene Objekt. Das Subjekt gibt hierbei stets die Wahrnehmungsrichtung vor. Das Erkennen der Wirklichkeit kann nur aus der Distanz gelingen, und diese ist nur gegeben, wenn zwischen dem erkennenden Subjekt und der erkannten Welt eindeutig unterschieden werden kann. Jedoch ber\u00fchrt uns das Wahrgenommene nicht direkt k\u00f6rperlich. Auch wenn es keine Erkenntnis ohne emotionalen Bezug geben kann, gibt es Unterschiede, wie intensiv und bewusst das emotionale Erleben stattfindet. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen auch Bilder eine emotionale Wirkung entfalten und in uns starke Gef\u00fchle ausl\u00f6sen, trotzdem bleibt zwischen uns und dem wahrgenommenen Objekt immer eine gewisse Distanz<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Brandst\u00e4tter, Ursula, \u00c4sthetische Erfahrung und Wahrnehmung: Gibt es spezifische \u00e4sthetische Wahrnehmung? S. 99, in Grundfragen der \u00c4sthetik, 2008.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ebenda S. 100.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Ebenda S. 101.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brandst\u00e4tter, Ursula, \u00c4sthetische Erfahrung und Erkenntnis: F\u00fchrt die \u00e4sthetische Erfahrung zu Erkenntnis? S. 103, in Grundfragen der \u00c4sthetik, 2008.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Ebenda S. 104.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Brandst\u00e4tter, Ursula, \u00c4sthetische Erfahrung und Zeit: Setzt die \u00e4sthetische Erfahrung die Zeit au\u00dfer Kraft? S. 117, in Grundfragen der \u00c4sthetik, 2008.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Ebenda, S. 118.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wahrnehmen und Erkennen Jedes von uns wahrgenommene Bild wurde bereits von unseren Wahrnehmungsorganen verarbeitet\u00a0 und durch die neuronale Verarbeitung abstrahiert und gefiltert. 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